Irgendwie beruhigend, dass man sich mit dem, was die Schüler des Integrationskurses da als deutsches Lebensgefühl vermittelt bekommen, genausowenig identifiziert wie die. Aber auch irgendwie beunruhigend, dass man Menschen, die zum Teil schon Jahrzehnte hier leben und Kinder aufgezogen haben, nun die deutsche Nationalhymne vorgespielt bekommen und über pünktliches Erscheinen beim Termin zu ihrer Abschiebung informiert werden. “Werden Sie Deutscher” ist ein unglaublich lustiger, rührender kleiner Berliner Dokumentarfilm, der tief blicken lässt in die deutsche Psyche und was wir denen, die bei uns bleiben wollen, so zumuten mit uns. Eigentlich Pflichtprogramm, wie der Integrationskurs. Nur nicht so dämlich.
http://www.youtube.com/watch?v=oQn4TuoUabU
War da irgendjemand drin? Wie war das jetzt nochmal genau mit der “Double Jeopardy”? Würde liebend gerne mit (noch) jemandem die Handlung auf Schlüssigkeit durchfieseln, weil das nämlich einer von den Filmen ist, die zum Wohle der Zuschauererwartungsbrechung im Endeffekt einen rechten Schmarrn daherkonstruieren, der bestensfalls noch innerhalb der Drehbuchwelt halbwegs trägt, aber vielleicht eben auch das nicht wirklich. Dabei lässt sich das Ganze sehr gut an, Rooney Mara ist ja wirklich toll, Jude Law ist wie meistens recht toll, das Thema Psychopharmaka schon in sich unberechenbar, was bestens zum Genre des Labyrinth-Thrillers passt. Alles höchst unterhaltsam, spannend, auch raffiniert zum Teil. Um dann im letzten Drittel einzubrechen: ein Twist zuviel, und plötzlich ist doch alles wieder wie immer, die Figuren verlieren ihren Glanz und werden gewöhnlich, und damit der Film am Ende leider auch. Was bleibt ist das Rätselraten um die Double Jeopardy und wer hier eigentlich wann genau wen verarscht.
http://www.youtube.com/watch?v=EFEou3MBLi4
Es lief halt nix anderes.
Nagut, ich schreib kurz was dazu: Zwei 16-jährige beste Freundinnen in den 60ern, deren traute Zweisamkeit durch die Wirren des Erwachsenwerdens gestört wird. Dabei wollten sie es doch soviel besser machen als ihre an den zeitgemäßen Rollenmustern zerschellten Mütter. An sich kein übles Thema, und Elle Fanning reißt auch einiges raus durch ihren ernsthaften Kindfraufraukind-Charme. Nerven tun die arg aufdringlich historischen Details und Outfits (plus MadMen-Retro-Ikone Christina Hendricks), die offenbar den Budgetmangel ausgleichen sollten (ca. 2 Außenaufnahmen) sowie der behauptete politische Hintergrund in Form des Kalten Krieges, der nicht als wirkliche Bedrohung spürbar wird und so zur bloßen Kulisse verkommt. Hölzern, übererklärt, und trotz guter Darsteller leider irgendwie überflüssig.
http://www.youtube.com/watch?v=47yoVmZeff0
Ok, kleiner Beschiss: ich hab den Film schon auf der Berlinale gesehen. Damals durfte ich vor der Vorführung folgendem Dialog einer befreundeten Regisseurin und ihres (Kamera-) Mannes beiwohnen, der ihn schon gesehen hatte:
Er: “Was ist das manipulativste Filmthema, das du dir vorstellen kannst?”
Sie, wie aus der Pistole geschossen:”Krebskranke Kinder.”
Und so war’s dann auch. Einfach alles an diesem Film ist irrsinnig manipulativ: die lässige Cowboy-Werbeoptik, die unglaublich coole Bluegrass-Musik, die schönen Tattoos an der schönen Hauptfrau, die niedliche Tochter mit dem Bluegrass-Namen, ach, so wäre und lebte man auch gerne. Doch dann: das Unglück nimmt seinen Lauf, denn so ist das Leben nunmal. Tochter wird krank und kränker. Und wenn es noch nicht schlimm genug ist, gibt’s eben noch einen Schlag drauf, und noch einen, und dann noch einen. Warum? Keine Ahnung, soll halt nahegehen, krass sein, bewegen, alle mitreißen, immer druff auf die Tränendrüse. Bei der Berlinale hat’s geklappt, es gab den Publikumspreis dafür. Mir egal. Für mich ist das ein zynischer Missbrauch eines todtraurigen Themas, ohne dass dahinter wirklich eine Haltung oder Botschaft steht, und, noch schlimmer: ohne jeden Hoffnungsfunken. Gottlob ist das Ende so platt, dass man sich spätestens dann aus den Griffeln dieses Regisseurs befreien kann. Grrrr.
http://www.youtube.com/watch?v=ael4XsuYdj0
Spätestens wenn der weiße Flügel kommt, wird es mythisch. Spätestens dann wenden sich die mit offenem Mündchen Chips crunchenden und plärrenden Girlies neben einem, die unter falschen Annahmen (Britney Spears-Songs!) ins Kino gegangen sind, endgültig ab und schicken stattdessen muffelige Statusupdates in die Welt (“Voll doof, Selena ist schon wieder heimgefahren und die Bilder sind so waberig und dieser Typ, mit dem sie poppen, hat so komische Zähne, ey hat der noch nie was von Flossing gehört?”). Mit Partylaune hat Harmony Korines Fiebertraumstreifen wenig am Hut, obwohl an Brüsten und Schritt-Schnitten sowie via verschiedenster Körperöffnungen durchgeführtem Bier- und Kokainkonsum kein Mangel herrscht. Doch die wahre Meta-Message wird einem wenig subtil per Dauerschleife in den Kopf gehämmert - Leute, das also ist euer American Dream… und um ihn erleben zu können, muss man sich eben wegbegeben von allem, was bei Disney erlaubt ist, aus der Sicherheit der Gebetsgruppe und der vorgeschriebenen Karriere, und zur Seite des Bösen überwechseln, sonst kommt man nicht ran an diesen Traum von Kohle, BlingBling und Handfeuerwaffen. Und so kommen auch nur die harten Disney-Mädels in den Garten, in dem der grandiose Gärtner James Franco alias “Alien” mit seinem silbernen Grinsekatz-Grinsen und seinem ultimativen Erklärungsmodell des Universums (“Scarface on Repeat”) schon auf sie wartet. Geradezu meditativ und mit teils fast Malick-esken Bildern wird man durch diese schräge Geschichte getragen und freut sich, dass die Mädels neben einem bald in die Spring Break abdampfen, hoffentlich.
http://www.youtube.com/watch?v=rVvn9T6bqls
Das Mädchen in der Suchttherapiegruppe fasst das Problem gut zusammen, etwa so: “Ich spüre wieder dieses leere Gefühl wie vorher, aber nicht mehr die Erleichterung, die ich nach einem Schuss hatte. Das macht mich skeptisch in Bezug auf die Zukunft.” Anders, 34, klug, gutaussehend, Sohn liberaler Akademiker, probiert es mal aus, für einen Tag und eine Nacht. Wie eine Hülle seiner selbst läuft er die wichtigen Stationen seines Lebens ab, findet überall etwas, das auf ihn wartet, doch er kann mit nichts mehr etwas anfangen, findet keinen Zugang mehr. Als Zuschauer resigniert man mit ihm Schritt für Schritt. Ein schöner, kluger, trauriger, Film, von dem man hinterher aus irgendwelchen Gründen denkt, dass er schwarz-weiß war. Stimmt aber gar nicht.
http://www.youtube.com/watch?v=gz2g0F9yl5o
(Da ich selbst noch nicht dazu gekommen bin, den Film zu sehen, hier erstmal ein Beitrag von einem renommierten Gastautor)
http://ulihannemann.de/artikel/maxifilmblog-spring-breakers
Hat für mich nicht funktioniert. Als großer Fan von “Paradies: Liebe” hatte ich gehofft, dass Seidl es wieder schafft, dass man mit der Hauptfigur mitgeht - trotz ihres Fanatismus, ihres Missionierungswahns, der Selbstgeißelungen und diverser anderer unsäglicher Praktiken, mit denen sie ihren Alltag “heiligt”. Aber man geht nicht mit mit ihr, also ich zumindest nicht. Hab ich spätestens gemerkt, als eine stockbesoffene Prostituierte kurz davor war, der guten Anna Maria ein Messer in den Rücken zu rammen, und ich dafür allergrößtes Verständnis hatte. Kein gutes Zeichen. Und selbst die penetranten Rückeroberungsversuche des verschollenen Ehemanns, selbst ein veritables Arschloch vor dem Herrn (in dem Fall Allah), lassen nicht groß für sie Partei ergreifen. Was insgesamt schade ist, denn es gibt starke, bizarre Szenen, vor allem die, wo sie mit “Wandermadonna” unterm Arm an Türen zu bekehrender Schäfchen klingelt. Maria Hofstätter legt eine äußerst gewagte und gekonnte Darbietung hin, an ihr liegt’s nicht. Dann hat Herr Seidl vielleicht doch vergessen, dass der ganze Horror dieser gescheiterten Existenz an einem abprallt, wenn man in der Figur nicht wenigstens ein klitzekleines Stückchen von sich selbst wiederfindet.
http://www.youtube.com/watch?v=pYOddVREv80
Gerade als man dachte, man hätte es nun ja begriffen (Chris&Tina, Mauerblümchen-Pärchen, begibt sich auf eine mörderische Tour d´Amour durch die englische Landschaft, quasi Natural Born Killers in unhip) wirds interessant. Vor allem wegen Tina, die im Morden plötzlich eine Chance sieht, ihrem bisherigen Dasein mit all seinen Zwängen und Schuldgefühlen zu entrinnen. Plötzlich ist sie der unberechenbare Faktor anstelle von Chris, was den wenig freut. Und die Dynamik verändert sich auf gespenstische Weise. Kann man sich als Schwarze Komödie reinziehen, aber es sind eher die drunterliegenden Schichten, für die sichs lohnt, reinzugehen.
http://www.youtube.com/watch?v=qyg9aRqlUxM
Eigentlich ist das kein Film, sondern eine großangelegte Übung in existenzieller Verzweiflung, vage kaschiert als Nachkriegsdrama oder Teil-Biopic von Ron Hubbard. Um den geht’s aber nicht wirklich, der eigentliche Master ist sein vermeintlicher Sklave, sein Äffchen, seine Eliza Doolittle. In einer absolut einmaligen Irrsinnsperformance humpelt, leidet, säuft und prügelt sich Joaquin Phoenix als unfertiges Missing Link auf mittlerer Evolutionsstufe durch die Welt, ohne zu wissen, wozu, und ohne jede Hoffnung auf Erlösung - “He’s past help”. Ob sich Scientology oder sonstwer seiner annimmt, ist vollkommen wurscht, nichts kommt wirklich an ihn heran, nichts bringt ihn weiter oder hilft ihm, da ist ein Schwachsinn so gut wie der andere. Irgendwie hat mich der Film an die ersten 45 Minuten von Wall-E erinnert - ein seltsames Wesen aus Schrott bringt in bildgewaltiger postapokalyptischer Einsamkeit irgendwie die sinnlosen Tage herum. Wahnsinnig und wahnsinnig sehenswert, wenn auch krasse Kost.
http://www.youtube.com/watch?v=oZswk9tEpAc